"Mein Weg" - Ina Bartik (jobs´n´more)

Ina, 27 Jahre, jobs´n´more

25.07.2017

 

Ina ist 27 Jahre alt, kommt aus Magdeburg und pendelt zwischen zwei Welten. In Dresden macht sie ihren Master in Betriebswirtschaft, in Magdeburg baut sie ihr Unternehmen auf. Jobs´n´more ist eine Jobplattform aus der Region für die Region und hat vor allem Studenten im Blick. Wie Ina auf den verwegenen Plan kam, gar nicht erst in ein klassisches Angestelltenverhältnis zu gehen, sondern gleich mit einem eigenen Unternehmen zu starten, hat sie mir neulich erzählt. 

 

Wie kam es zu der Idee, jobs´n´more zu gründen?

 

"Ich habe während des Bachelorstudiums bei einem internationalen Big Player gearbeitet und da schon festgestellt, dass ein Angestelltenverhältnis wahrscheinlich nicht unbedingt zu mir passt. Deswegen habe ich mich entschieden auf jeden Fall eigene berufliche Wege einzuschlagen." Die Idee zu "jobs´n´more" ist ihr dann während des Masterstudiums gekommen.

 

"Ich hatte während des Studiums immer gearbeitet aber es fiel mir schwer neue Jobs, einen Praktikumsplatz oder auch ein Unternehmen zu finden bei dem ich meine Masterarbeit schreiben könnte. Die großen Jobplattformen bildeten meine Region nicht ab." sagt sie und bringt es damit auf den Punkt. Ihren Kommilitonen ging es nicht anders. 

 

Und wenn eine gründungswillige Frau auf einen Bedarf stößt dann zieht sie eins und eins zusammen und macht Nägel mit Köpfen. "Ich wollte den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen. Wir sind auch in Magdeburg im Zeitalter der Digitalisierung angekommen und das sollte man nicht verpassen. Das sollte genutzt werden und auch für die Studenten umgesetzt werden." So beschreibt sie den Kontext ihrer Entscheidung.

 

Was musstest du tun um die Idee zu realisieren?

 

"Meine ersten Schritten waren, sehr lange darüber nachzudenken ob es das richtige ist, ob ich diesen Schritt gehe, wie ich ihn gehe und an wen ich mich wenden kann um die ersten Fragen einer Gründung klären zu können." Ina nahm sich für diesen Klärungsprozess ein paar Monate Zeit. Zeit in der sie mit Sicherheit auch die passende Haltung zu sich selbst als Gründerin finden musste. Gründung passiert nicht von heute auf morgen, sie ist ein Prozess, der weit hinaus geht über Zahlen, Daten, Fakten. Die persönliche Entwicklung ist oft viel entscheidender für den Erfolg als das blanke Zahlenwerk.

 

Ina nutzte später ihren Freundeskreis um sich hilfreiches Feedback zu holen. "Da das Feedback dort gut war und Verbesserungsvorschläge eingebracht wurden, entwickelte sich die Idee immer weiter und nahm dann auch tatsächlich sehr konkrete Gestalt an."

 

Ein Bekannter welcher vor einiger Zeit selbst gegründet hatte, nahm sie zu Gründerorganisationen mit. "Dort lernt man dann andere Gründer*innen kennen die einem nochmal neuen Input geben, was mich dazu brachte, den Businessplan zu formulieren. Als der dann stand war ich mir auch sehr sicher, dass ich das umsetzen möchte und wie ich das umsetzen möchte."

 

Auch bei Ina war der Businessplan ein Meilenstein: "Dadurch dass man seine Idee in eine konkrete Struktur bringen muss, werden nochmal die Schwachstellen bewusst und das was man bisher nicht bedacht hatte. Man achtet viel stärker auf die Formulierung: Welchen USP (Unique selling point = Alleinstellungsmerkmal) möchte ich benutzen? Was ist mein Hauptverkaufsargument? Was möchte ich leisten und erbringen?"

 

"Ich hatte nicht nur den Businessplan (Was will ich machen?) sondern auch einen Zeitplan. In welcher Zeit will ich was erreichen? Sich darüber Gedanken zu machen was ich alles brauche um die Gründung zu vollziehen, z.B. einen Geschäftsvertrag, AGB´s und andere Steps, war wichtig."

 

Seit der Erstellung des Businessplans ist ein halbes Jahr vergangen. Ina hat sich in der Zeit intensiv auf die Gründung vorbereitet, Termine beim Notar wahrgenommen, AGB´s erstellt etc.. "Es haben sich durch verschiedene Sachen immer wieder Verzögerungen ergeben."

 

Hier wird deutlich, dass eine Unternehmensgründung vor allem Zeit braucht. Die bloße Idee ist das eine, die konkrete Umsetzung das andere. Und wer erfolgreich gründen möchte, muss sich Zeit nehmen alle wichtigen Fragen zu klären sowie die notwendigen Schritte/Angebote zu durchdenken und vorzubereiten. An der Stelle ist es gut zu wissen, dass es auch in Sachsen-Anhalt Gründerzentren gibt, die einen dabei unterstützen. Ina hat von der Idee bis zur Anmeldung des Gewerbes ein Jahr benötigt und schätzt diese "Reifezeit" selbst als enorm wichtig ein. "Die Fehler in der Gründerzeit bewahren einen vor Fehlern in der eigentlichen Geschäftszeit" sagt sie dazu. 

 

Und es hört nicht auf. "Man muss flexibel sein. Der Markt verändert sich. Darauf muss man sich einstellen. Man muss immer wieder neu überlegen. Man sollte sich nicht auf seiner Idee ausruhen."

 

Wer oder was hat dich unterstützt?

 

"Freunde und Bekannte, die selber gegründet haben und die Gründerorganisationen. Das Feedback ist hilfreich und zeigt einem immer wieder auf, was man noch zu tun hat."

 

Was war dir wichtig bei der Gestaltung deines Unternehmens?

 

"Dass sich keiner übervorteilt fühlt sondern für Studenten, Arbeitgeber und mich eine Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit geschaffen wird." Ina ist es wichtig, ein regionales Angebot zu schaffen und Unternehmen aus Magdeburg und Umgebung mit den Studenten dieser Gegend zusammen zubringen.

 

Was musstest du loslassen?

 

"Ich musste meine Verschlossenheit loslassen. Ich musste mich öffnen um mir Feedback holen zu können."

 

Was hätte die Gründung leichter gemacht?

 

"Auf jeden Fall ein Mitgründer. Dadurch, dass ich noch in Dresden studiere und meine Zeit aufteilen muss, wäre ein Mitgründer, der mich gut ergänzt, hilfreich gewesen. Stärker nach vorne mit größeren Schritten sozusagen."

 

Wieso hat es sich bereits jetzt gelohnt?

 

"Ich tue gerade das, was ich immer tun wollte! Egal was für Schwierigkeiten damit verbunden sind, das ist das was mir gefällt und was mich nicht bedrückt und belastet sondern wo ich lernen und anwenden kann was ich im Studium gelernt habe und was meinen Charakter abbildet. Ich gehe meine eigenen Wege und kann selber entscheiden und meine eigenen Fehler machen. Das ist mir wichtig."

 

Wie siehst du dein Unternehmen in 3 Jahren?

 

"Ich hoffe natürlich, dass es nach vorn geht und ich das Unternehmen erfolgreich in der Region etablieren kann und es angenommen wird und nützt. Ich möchte zu einem Anlaufpunkt für Studenten werden die einen Job suchen."

 

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Inas Geschichte beschreibt sehr deutlich wie wichtig der Weg ist. Veränderung passiert nicht über Nacht und das ist auch gut so. Der Mensch braucht Zeit, die Veränderung auch im Inneren zu vollziehen. Erst dadurch können unsere Ideen ihre volle Wirkung entfalten.

Auch Ina nutzt ihre Ressourcen, musste sich aber erst dafür öffnen, andere um Unterstützung und Feedback zu bitten. Am Ende hat es sich gelohnt über den eigenen Schatten zu springen und ihr vieles erleichtert. Dieses Schattenspringen steht meistens am Beginn eines neuen Weges. Was definiert denn sonst einen "neuen Weg"? Ich muss hier an ein Zitat von Henry Ford denken: "Wer immer tut was er schon kann, wird immer bleiben was er schon ist." Das Ziel hinter der Veränderung, die wir selbst anstreben, ist ja i.d.R. eine andere (bessere) Version unseres bisherigen Lebens. Und natürlich müssen wir einiges (auch in uns) loslassen um diese Veränderung zu vollziehen und ans Ziel zu kommen.

Ina beschreibt an einer Stelle, dass sie durch die Gründung das tun kann, was ihrem Charakter entspricht. Sie hat ihr Element gesucht und dieses schlussendlich selbst geschaffen. Dies gibt ihr die Möglichkeit, ihr berufliches Tun im Einklang mit sich selbst zu gestalten. So stellt sie "Kongruenz" her. Ein Wort, das nur wenige kennen aber fast jede/r anstrebt. Mal mehr mal weniger bewusst. Nicht selten ist das Fehlen von Kongruenz, Initiator für einen Veränderungsprozess. Und manchmal merken Menschen auch sehr früh, dass der klassische Weg, sie dorthin nicht führt. So wie Ina.

 

Wer Lust hat, sich mit seinem eigenen beruflichen Weg und Wirken auseinander zu setzen, hat dazu u.a. in Form einer Einzelsupervision die Möglichkeit. Manchmal lohnt es sich, beim Arbeitgeber anzufragen ob er, z.B,. im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagement oder zur fachlichen Unterstützung, Supervision genehmigt und finanziert.

 

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